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Gewerbliche Küche mit Edelstahl-Geräten, Töpfen und Pfannen

Platzierung & Blickverlauf: der „Sweet-Spot“-Mythos

Eine der meistzitierten Menü-Regeln lautet: Der Blick des Gastes lande zuerst in einem „Sweet Spot“ oberhalb der Mitte der rechten Seite – dorthin gehörten die margenstärksten Gerichte, günstige dagegen nicht „nach rechts oben“. Das klingt plausibel, ist aber empirisch nicht haltbar.

Was das Eye-Tracking zeigt

Sybil Yang (Cornell) ließ Testpersonen 2012 mit einem Infrarot-Blickscanner echte Menüs lesen und wertete die Blickpfade aus. Ergebnis: Es gab keinen Sweet Spot. Die Gäste lasen die Karte weitgehend sequenziell wie eine Liste oder ein Buch – von oben nach unten. Yang fand lediglich einen „Sour Spot“: Bereiche, die besonders wenig Beachtung bekamen (etwa allgemeine Betriebsinfos und lange Salatlisten). Ihre Einordnung: Die Sweet-Spot-These sei „wie ein hartnäckiges Gerücht“ ohne solide Datenbasis weitergereicht worden.

Was stattdessen wirkt

Verlässlich ist der Serial-Position-Effekt: In einer Liste bekommen die ersten und letzten Einträge die meiste Aufmerksamkeit und werden häufiger bestellt. Praktisch: Platziere je Kategorie Ihre margenstarken Gerichte an den Anfang oder das Ende – nicht in einen imaginären Bereich „rechts oben“. Halten Sie Kategorien kurz (lange Listen ermüden die Mitte), und setzen Sie visuelle Anker wie eine dezente Box oder ein einzelnes Bild sparsam ein, um gezielt ein Gericht hervorzuheben. Zu viele Hervorhebungen heben sich gegenseitig auf.

Ehrlich bleiben

Viele „Blickverlauf“-Regeln aus Ratgebern sind unbelegt oder aus dem Web-Design übertragen. Verlassen Sie sich auf die wenigen robusten Effekte und teste Änderungen an Ihrem eigenen Umsatz. Welche Gerichte die Hervorhebung wert sind, zeigt die Deckungsbeitrags-Einordnung im Menükartenplaner.

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Kategorien statt Seitenmagie

Wenn es keinen verlässlichen Sweet Spot gibt, verschiebt sich die praktische Frage: Nicht wo auf der Seite ein Gericht steht, sondern in welcher Kategorie und an welcher Stelle innerhalb dieser Liste. Kurze, klar benannte Kategorien mit fünf bis sieben Positionen sind übersichtlich, und jede Kategorie hat einen ersten und einen letzten Platz, die überdurchschnittlich gelesen werden.

Was auf Anfang und Ende gehört

Auf die stark beachteten Positionen gehören Gerichte, die Sie tatsächlich verkaufen wollen: hoher Deckungsbeitrag, verlässliche Küche, gut kalkulierbarer Einkauf. Welche das sind, ergibt sich aus der Matrix im Menükartenplaner und nicht aus dem Bauchgefühl der Küchenleitung.

Digitale Karten verhalten sich anders

Auf dem Telefon gibt es keine Doppelseite, sondern eine lange Spalte. Damit verliert jede Aussage über linke oder rechte Seitenhälften ihren Sinn, und die Reihenfolge wird noch wichtiger, weil gescrollt statt überflogen wird. Wer Papier- und QR-Karte parallel führt, sollte die Reihenfolge in beiden gleich halten, sonst wertet er später Äpfel gegen Birnen aus.

Quellen: Yang (2012), „Eye movements on restaurant menus: A revisitation on gaze motion and consumer scanpaths“, International Journal of Hospitality Management (ScienceDirect); Zusammenfassungen bei phys.org und EurekAlert (2012). Mehr in der Menü-Engineering-Übersicht und der Methodik.